Aznar: Französischen Padel-Kalender strukturieren
Im dritten und letzten Teil seines Gesprächs mit Padel Magazine skizziert Laurent Aznar, Präsident der Bundeskommission, ein klares Leitbild für die weitere Entwicklung des französischen Padels. Das Interview entstand beim P2000 von WinWin Padel in Cabriès und dreht sich vor allem um die Organisation des nationalen Wettkampfkalenders. Angesichts einer rasant wachsenden Turnierlandschaft fordert Aznar mehr Abstimmung zwischen Ligen, Clubs und Verbandsstrukturen, ohne die Dynamik der Szene zu bremsen.
Wachsende Turnierdichte fordert die Ligen heraus
Die Zahl der homologierten Turniere in Frankreich ist in den vergangenen Jahren stark gestiegen. Aznar spricht von mehreren Zehntausend zugelassenen Wettbewerben pro Jahr. Genau diese Dynamik mache eine bessere Steuerung notwendig. Nach seiner Einschätzung werden die regionalen Ligen eine zentrale Rolle spielen. Sie sollen ihre Kalender stärker aufeinander abstimmen, damit wichtige Events nicht gleichzeitig im selben Gebiet stattfinden und sich gegenseitig die Teilnehmer streitig machen.
Wichtig sei dabei die Botschaft an die Clubs: Es gehe nicht darum, Turniere zu verhindern. Im Gegenteil sollten Clubs weiterhin Wettbewerbe anbieten können. Ziel sei lediglich, eine Kannibalisierung der Angebote zu vermeiden. Einige Ligen hätten bereits erste Regelungen eingeführt, etwa zeitliche Beschränkungen für P500-Turniere an bestimmten Wochentagen oder eine gezieltere Verteilung der Termine. Aznar begrüßt diese Flexibilität, weil die sportlichen und organisatorischen Realitäten nicht in ganz Frankreich gleich seien.
Unbegrenzte Turnierzahl ist kein Freifahrtschein
Besonders diskutiert wird derzeit die Regelung, die manchen Clubs eine sehr hohe Zahl an Turnieren erlaubt. Aznar hält das Wort „unbegrenzt“ für missverständlich. Es bedeute nicht, dass ein Club ohne Kontrolle beliebig viele Wettbewerbe ansetzen könne. Homologierungen liefen weiterhin über Ligen oder Komitees. Deren Aufgabe sei es, die Kohärenz des Kalenders zu prüfen und ein Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage zu sichern.
Auf die Frage, ob eine Liga die Zahl der Turniere je Club begrenzen dürfe, antwortet Aznar klar mit Ja. Das Thema könne geprüft werden, und entsprechende Überlegungen seien bereits vorhanden. Am Ende müssten die Ligen Lösungen finden, die zu ihrem jeweiligen Territorium passen. Hinter dem Ansatz steht ein konkretes Problem: Manche Clubs füllen ihre Felder nicht mehr vollständig. Parallel angesetzte, ähnliche Turniere in derselben Region schwächen Teilnehmerzahlen, sportliches Niveau und Attraktivität für Spieler wie Organisatoren. Besser seien daher etwas weniger, dafür aber gut besetzte Turniere.
Privatclubs als unverzichtbare Partner
Ein weiterer Schwerpunkt ist der Dialog mit privaten Anlagenstrukturen. Die neue nationale Vereinigung privater Clubs hat laut Aznar bereits zweimal mit dem Verband getagt; ein drittes Treffen ist während des Alpine Paris Major geplant. Die Privatclubs hätten rund ein Dutzend Vorschläge vorgelegt. Manche seien komplex umzusetzen, andere verdienten eine ernsthafte Prüfung. Aznar betont, dass Frankreichs Padel-Entwicklung ohne partnerschaftliche Arbeit zwischen Verband und Privatanbietern nicht gelingen werde. Die Gespräche seien konstruktiv und sollten in den kommenden Monaten fortgesetzt werden.
Entscheidend sei eine Win-win-Logik statt Gegenüberstellung der Akteure. Der Verband brauche die privaten Clubs, und die privaten Clubs brauchten den Verband. Nur im gemeinsamen Austausch entstünden Lösungen, die für alle Seiten tragfähig seien.
Roland-Garros als internationales Aushängeschild
Kurz vor dem Alpine Paris Major zeigt sich Aznar zuversichtlich: Die Reservierungen lägen auf einem Niveau früherer Ausgaben, das Finalwochenende sei bereits gut gefüllt. Roland-Garros habe sich zu einem Fixpunkt im Weltkalender entwickelt. Die Atmosphäre sei einzigartig, und viele Topspieler schätzten das Ambiente besonders. Für zahlreiche spanische Athleten habe ein Auftritt dort sogar einen besonderen emotionalen Wert. Frankreich könne sich glücklich schätzen, ein Major auszurichten.
Gleichzeitig verweist Aznar auf die Breite des französischen Angebots. Neben dem Major von Premier Padel in Paris gebe es inzwischen ein P2 in Bordeaux, zwei FIP Platinum und ab dem kommenden Jahr sechzehn FIP-Events auf französischem Boden. Dazu kämen vier neue P3000. Nur wenige Länder könnten eine vergleichbare Dichte an hochklassigen Wettbewerben vorweisen. Dieses Portfolio sei das Ergebnis jahrelanger gemeinsamer Arbeit.
Das Event in Roland-Garros sei zudem mehr als reiner Spitzensport. Publikum komme für die Weltklasse-Matches, erlebe aber auch DJ, Animationen, Village und weitere Formate rund um den Court. Jahr für Jahr werde die Fan-Erfahrung weiterentwickelt – auch bei der kommenden Ausgabe.
Cabriès bleibt Symbol für Outdoor-Padel
Zum Abschluss blickt Aznar auf den besonderen Rahmen in Cabriès. Mit dem Ende des bisherigen P2000-Formats werde dieses Turnier als letztes in einer vollständig outdoor geprägten Umgebung gelten. Outdoor-Padel biete andere Sensationen, eine eigene Atmosphäre und oft spektakuläre Kulissen. Gleichzeitig verlange ein Wettbewerb dieses Niveaus im Freien eine starke Infrastruktur. Derzeit habe nur Cabriès alle Anforderungen erfüllt. Sollten künftig andere Anlagen vergleichbare Projekte vorlegen, hätten sie selbstverständlich ihren Platz.
Strukturiertes Wachstum statt unkontrollierter Expansion
Als roten Faden des Gesprächs bleibt Aznars Kernbotschaft: Das französische Padel erlebt eine außergewöhnliche Wachstumsphase mit großen Chancen, aber auch mit Verantwortung. Die Zukunft hänge an einer belastbareren Organisation, an besser angepassten Regeln, an dauerhaftem Dialog mit den Clubs und an einem kohärenten Wettbewerbsangebot. Die Priorität sei klar formuliert: das Wachstum begleiten, strukturieren und so gestalten, dass es allen Akteuren des Sports zugutekommt.