Padel Tots soll Nebenzeiten in Clubs besser nutzen
Mit Padel Tots ist ein neues Frühförderprogramm gestartet, das eine Lücke im Padelmarkt schließen will: die schwache Auslastung vieler Anlagen außerhalb der klassischen Feierabendzeiten. Hinter dem Konzept stehen die Trainerin Jo Patterson und der Investor Jamie Reynolds. Vorgestellt wurde das Projekt auf dem Padel World Summit in Barcelona, wo es als praxisnaher Ansatz für Nachwuchsgewinnung und bessere Flächennutzung diskutiert wurde.
Die Grundidee ist einfach, aber strategisch bedeutsam. Statt Kinderangebote nur als Zusatzprogramm zu behandeln, soll die frühe sportliche Bindung als Kernbaustein der Clubentwicklung etabliert werden. Padel Tots setzt bei den jüngsten Altersgruppen an und entwickelt Trainingsformate, die motorische Grundlagen, Spielfreude und erste taktische Muster altersgerecht verbinden. Für Clubs entsteht dadurch ein zusätzlicher Nutzungsblock in Zeiten, in denen Courts häufig frei bleiben.
Warum Nebenzeiten für Clubs entscheidend sind
Viele Betreiber berichten von ähnlichen Mustern: Hohe Nachfrage am Abend und am Wochenende, deutlich geringere Belegung am Vormittag und frühen Nachmittag. Genau dort setzt das Programm an. Wenn Kinderkurse regelmäßig in diese Zeitfenster gelegt werden, steigt die Planbarkeit für Betreiber. Gleichzeitig kann Personal effizienter eingesetzt werden, weil Trainerstunden nicht ausschließlich in den Spitzenzeiten gebündelt sind.
Ökonomisch ist dieser Ansatz relevant, weil Hallenkapazität ein fixer Kostenfaktor bleibt, unabhängig von der tatsächlichen Belegung. Jede zusätzlich genutzte Stunde verbessert damit die Wirtschaftlichkeit. Sportlich entsteht ein zweiter Effekt: Familien, die über ein Kinderangebot in den Club kommen, nutzen oft auch weitere Leistungen wie Einsteigerkurse, Leihmaterial oder Feriencamps. So kann aus einem einzelnen Nachwuchsformat ein stabiler Wachstumspfad für den gesamten Standort werden.
Aufbau des Programms im Trainingsalltag
Padel Tots beschreibt sich als frühes Entwicklungsprogramm und nicht als starres Kurssystem. Im Vordergrund steht daher eine methodische Progression. Die ersten Einheiten konzentrieren sich auf Bewegung, Koordination und Ballgefühl. Danach folgen einfache Schlagmuster und spielerische Entscheidungsaufgaben. Erst in späteren Stufen rücken Punktstrukturen, Raumaufteilung und Partnerkommunikation stärker in den Fokus.
Die Verantwortlichen betonen, dass die Inhalte für Kinder verständlich und motivierend bleiben müssen. Kurze Übungsblöcke, klare Rituale und sichtbare Lernfortschritte sind entscheidend, damit Teilnehmer kontinuierlich dabei bleiben. Genau diese Kontinuität ist für Clubs wertvoll, weil sie wiederkehrende Buchungen erzeugt und die Bindung über mehrere Saisons ermöglicht.
Mögliche Bausteine einer Einheit
- Koordinationszirkel mit Schläger und Softball zur Schulung von Rhythmus und Reaktion
- Kurze Technikfenster mit Fokus auf Treffpunkt, Schlägerführung und Kontrolle
- Spielnahe Mini-Formate auf verkleinerten Feldern für schnelle Erfolgserlebnisse
- Abschlussroutinen mit Teamaufgaben zur Förderung von Kommunikation und Fairness
Branchenimpuls vom Padel World Summit
Die Präsentation in Barcelona war für das Projekt ein wichtiger Marktmoment. Der Padel World Summit gilt als Plattform, auf der Betreiber, Marken, Trainer und Investoren Trends frühzeitig einordnen. Dass ein Nachwuchsprogramm dort prominent vorgestellt wird, unterstreicht die wachsende Bedeutung von strukturiertem Kindertraining im internationalen Padelumfeld.
Mit Enrique The Bear wurde zudem ein Maskottchen eingebunden, das den Zugang für jüngere Altersgruppen erleichtern soll. Solche Identifikationsfiguren können im Trainingsalltag helfen, weil sie Regeln, Übungen und wiederkehrende Abläufe kindgerecht rahmen. Für Clubs eröffnet das zusätzliche Möglichkeiten in der Kommunikation, etwa bei Schnuppertagen, Ferienformaten oder lokalen Aktionstagen.
Chancen und operative Anforderungen für Betreiber
Damit das Modell funktioniert, müssen Clubs mehrere Faktoren sauber abstimmen: verfügbare Courtzeiten, qualifizierte Trainer, altersgerechtes Material und eine klare Kommunikation an Eltern. Entscheidend ist außerdem, dass das Angebot verlässlich stattfindet. Unregelmäßige Termine schwächen die Bindung und erschweren den Aufbau fester Gruppenstrukturen.
Auch die Preislogik spielt eine Rolle. Familienangebote müssen nachvollziehbar kalkuliert sein und sollten den Einstieg erleichtern, ohne die Wirtschaftlichkeit zu gefährden. Einige Betreiber kombinieren dafür Kursmodelle mit Zusatzbausteinen wie Leihschlägern oder betreuten Spielfenstern. So lassen sich Hemmschwellen senken, während der Club gleichzeitig einen planbaren Umsatzkanal in Nebenzeiten entwickelt.
Operative Prioritäten für den Start
- Feste Zeitfenster in schwach belegten Stunden verbindlich reservieren
- Trainerfortbildung für frühe Altersgruppen und Methodik sicherstellen
- Elternkommunikation mit klaren Lernzielen und Ablaufplänen strukturieren
- Einfache Fortschrittsmessung über Anwesenheit und Kurswechsel etablieren
Padel Tots zeigt damit einen Ansatz, der sportliche Entwicklung und betriebliche Steuerung zusammenführt. Das Programm adressiert nicht nur Nachwuchsförderung, sondern auch die zentrale Frage, wie Padelanlagen jenseits der Spitzenzeiten stabil wachsen können. Für den Markt ist vor allem relevant, ob Clubs das Modell in ihren lokalen Kontext übertragen und über mehrere Monate konsequent umsetzen.