Charpentier: CNE-Arbeit trägt Früchte
Beim FIP Promises Paris by WME Sports kehrt Augustine Charpentier auf die Pisten von Lésigny zurück – an der Seite ihrer langjährigen Partnerin Zia Debroy. Die Nachwuchsspielerin vom Centre National d'Entraînement in Vichy spricht über ihren späten Einstieg in den Padel-Sport, den Alltag im CNE, die Junioren-Europameisterschaften in Portugal und ihre Ziele für den Rest der Saison.
Vom Tennis zum Padel: Ein Zufall als Wendepunkt
Charpentier entdeckte Padel erst 2023. In den Hauts-de-France fehlte damals eine Ersatzspielerin für das U14-Team bei den französischen Meisterschaften. Obwohl sie zu jener Zeit vor allem Tennis spielte und Padel sie zunächst wenig reizte, sagte sie zu. Bei dem Wettbewerb faszinierte sie die Atmosphäre rund um den Sport so sehr, dass sie nach der Rückkehr Zia Debroy vorschlug, gemeinsam Turniere zu bestreiten. Damit begann ihre gemeinsame Padel-Geschichte.
Die Verbindung der beiden reicht weit über den Court hinaus. Seit ihrem sechsten Lebensjahr kennen sie sich. Sie starteten im selben Jahr mit Tennis, trainierten wegen ähnlicher Spielstärke in derselben Gruppe und später im Wettbewerbsbereich ihres Clubs. Sie wuchsen gemeinsam auf dem Court auf und besuchten sogar dieselbe Schule. Diese Vertrautheit bestand lange vor dem Wechsel zum Padel.
Aufnahme in das CNE Vichy
Vor einem Jahr schafften beide gemeinsam den Sprung ins nationale Trainingszentrum in Vichy. Zunächst standen sie auf einer ersten Liste mit Spielerinnen aus ganz Frankreich. Eine zweite, engere Liste folgte mit der klaren Frage, ob sie den Schritt wirklich gehen wollten. Die Entscheidung fiel nicht leicht, denn sie bedeutete, Eltern und den gewohnten Alltag hinter sich zu lassen. Nach dem Besuch der Infrastrukturen zögerten sie jedoch nicht lange.
Den Abschied von der Familie mit erst fünfzehn Jahren empfand Charpentier als verkraftbar – vor allem, weil Zia Debroy an ihrer Seite war. Alleine wäre der Übergang deutlich schwerer gewesen. Die Eltern fehlen zwar, doch Unterricht, Padel-Training und athletische Vorbereitung füllen den Kalender.
Alltag und Trainingsarbeit im CNE
Ein typischer Tag beginnt mit dem Frühstück, gefolgt von zwei bis drei Stunden Unterricht per Videokonferenz über Acadomia. Danach folgen Padel-Training und athletische Vorbereitung; an manchen Tagen wird die Reihenfolge einfach getauscht. Die Saisonplanung verbindet Vichy mit dem Turnierkalender: In der Regel bestreiten die Spielerinnen zwei Turniere pro Monat. Bei jedem Einsatz begleiten und coachen die Trainer direkt vor Ort.
Zu Saisonbeginn lag der Fokus stark auf der Technik, insbesondere auf der Verteidigung. Inzwischen rückt die Taktik stärker in den Vordergrund. Das erste Jahr am CNE diente der Festigung der technischen Grundlagen. Charpentier spielt weiterhin überwiegend mit Zia Debroy, hat aber auch mit Lou Lambert Agosti gepaart. Für die kommende Saison erwägt das Duo, etwas häufiger zu wechseln, um andere Spielprofile kennenzulernen.
Fortschritte und Euro-Juniors in Portugal
Die Wirkung der CNE-Arbeit spürt das Paar bereits deutlich. Nach einem ruhigen Saisonstart rückten sie bei der Rückkehr in den Wettbewerb spürbar an die besten Französinnen heran. Diese Entwicklung hat sie stark motiviert; Charpentier spricht von einem echten Qualitätssprung im Spielniveau.
Bei den Junioren-Europameisterschaften in Portugal begann Frankreich mit einem 3:0 gegen Estland. Gegen Schweden verloren die U14 mit 6:3 und 6:4, doch Charpentier und Debroy glichen mit 7:5 und 6:4 aus. Das entscheidende U18-Doppel ging an die Schwedinnen. Gegen Italien unterlagen Charpentier und Debroy mit 6:3 und 6:3; auch die U18 verloren, wodurch das Halbfinale außer Reichweite geriet.
Statt abzuschalten kämpfte die Mannschaft um Platz fünf. Frankreich schlug die Niederlande mit 3:0 und Belgien mit 2:1. Die U14 holten einen Punkt, Charpentier und Debroy gewannen ein enges Match und sicherten den fünften Rang. Für Charpentier bleibt der Team-Charakter hängen: In Frankreich spielt man für die eigene Paarung, bei Länderspielen steht eine ganze Mannschaft hinter einem. Die Erfahrung weckt den Wunsch, später die Senioren-Europameisterschaften zu erleben.
Vorbilder, FIP Promises und Saisonziele
Zu Saisonbeginn verfolgte Charpentier den Profizirkus noch wenig. Die Trainer forderten sie auf, mehr Matches zu schauen – insbesondere jene von Léa Godallier. Mit Trainer Juan analysierte das Duo Finalvideos zu taktischen Entscheidungen und Laufwegen. Besonders inspiriert sie Delfi Brea, deren Spiel sie als sehr intelligent beschreibt.
Beim FIP Promises Paris stehen U16 und U18 am selben Ort an. Charpentier und Debroy wollen keines bevorzugen und jedes Match voll angehen. Ein mögliches Aufeinandertreffen mit der U16-Nummer eins ändert an der Herangehensweise nichts.
Für den Saisonabschluss nennt Charpentier klare Ziele. Im französischen Ranking steht sie derzeit auf Platz 42; sie will bis Jahresende in die Top 30 vorstoßen. Parallel soll die Arbeit mit den CNE-Trainern an Technik und Taktik weitergehen. Am wichtigsten bleibt die Freude auf dem Court – sie treibt sie im Alltag an. Der Auftritt in Lésigny zeigt, wie konsequente CNE-Arbeit und eine eingespielte Partnerschaft den Weg einer jungen französischen Padel-Hoffnung prägen.